Buenas noches, mis queridos lectores!
Wie war euer letzter Tag der Woche?
Meiner war ein einziges Abenteuer! Realmente y en serio!!!
Wie immer gingen wir auf den Markt Mayorista. Heute war sozusagen wieder der Park-Tag. (Uebrigens den Artikel ueber unsere Arbeit mit den Kindern habe ich mit Mueh und Not jetzt endlich fertig bekommen und Mariana im CENIT gegeben. Ich bin echt manchmal total faul. Gestern hockte ich 2 Stunden vorm Lap Top, hoerte Musik und starrte den Bildschirm an, und konnte mich einfach nicht aufraffen, da was Ordentliches auf den Bildschirm zu bringen, einfach ausgedrueckt) Wie dem auch sei, auf alle Faelle hatten wir fast alle Kinder eingesammelt und wollten uns schon auf den Weg machen, als das Unfassbare , Schreckliche passierte. Anai, ein 4-jaehriges Maedchen, sass auf den Schultern von Marien (aus England) und in dem Moment laechelte ich Anai an und rief ihr zu: Hola, Anai, mi amor! ¿Como estas hoy? – Hallo, Anai, (amor heisst ja “Liebe”, aber das sagt man da so) Wie gehts dir heute? Und in diesem Moment rutschte sie aus ungefaehr einer Hoehe von 1,75 (Mariana ist ziemlich gross) von den Schultern und fiel direkt mit dem Kopf auf den Asphalt. Ich stand da…ich dachte im Ernst, sie ist tot. Ich stand wirklich einfach da, die Haende vor dem Mund und…konnte mich nicht mehr bewegen. Nie in meinem ganzen Leben, niemals, werde ich dieses schreckliche Geraeusch vergessen, dass der aufschlagende Schaedel auf dem Asphalt verursacht hatte. Mir laeuft es jetzt kalt ueber den Ruecken, wenn ich daran denke. Die ganzen Marktmenschen liefen sofort zusammen, hoben die Kleine auf, spritzten ihr Wasser ins Gesicht. Schliesslich ging ich hin, die Mama war auch schon da, und versuchte einmal die Mutter und dann die Kleine irgendwie zu beruhigen. Im Mayorista befindet sich ein medizinisches Zentrum, das fuer die Marktkinder kostenlos ist. Also, wenn man sagt, dass man vom CENIT kommt, dann muss man nichts zahlen. Ich packte also das Kind, Carry (ebenfalls eine Voluntaerin) ging mit mir, und liess mir den Weg zu diesem Zentrum erklaeren. Um es kurz zu fassen: Das erste was der Arzt sagte, war: Estaba en las manos de Dios! – Sie befand sich in den Haenden Gottes! Anai hat nicht eine Schramme am ganzen Kopf, keine Beule, nichts! Lediglich hat sie sich einen Milchzahn ausgeschlagen. Natuerlich kann da trotzdem innerlich eine schwerwiegende Verletzung sein, also war klar, dass man eine Radiografie durchfuehren muesste. In diesem Zentrum gab es aber die notwendigen Einrichtungen nicht. Der Arzt war super lieb und total lustig drauf. Die ganze Zeit sang er und redete dauernd von Jesus und so. Ich fand das so schoen, ich hockte da, schaute zu, wie der Doktor Anai untersuchte und mir standen regelrecht die Traenen in den Augen. Keine Ahnung, das war alles so ruehrend…
Naja, um zu den Fakten zurueckzukehren: Aeusserlich war wie schon erwaehnt alles OK. Anai war auch weder bewusstlos gewesen, noch hatte sie erbrochen. Der Arzt schrieb mir ein Rezept, ebenfalls gab mir mir eine Anweisung sozusagen, ich weiss nicht wie dieser Papierkram heisst, damit Anai in einem Spital die Radiografie machen lassen koennte und schrieb mir die ganzen Krankenhaeuser auf. Und dann gingen wir. Wir kehrten zum Stand von Anais Eltern zurueck, und ich redete eine Viertelstunde mit Anais Mama. Erklaerte ihr alles, beruhigte sie, taetschelte ihr den Ruecken und entschuldigte mich ebenfalls, obwohl naja…Wer hat denn die Schuld? Ich glaube nicht, dass man die irgendjemanden zuschieben kann. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon wesentlich ruhiger und machte mir eher Gedanken um die Mutter, denn diese Menschen auf dem Markt, haben einen komplett anderen Bezug zur eigenen Gesundheit. Ausserdem fehlt auch das Geld. Da gibt es zB Frauen auf dem Markt, die haben schon 10 Kinder geboren und waren noch nie beim Frauenarzt! Unglaublich sowas fuer europaeische Verhaeltnisse! Auf alle Faelle war mir sofort klar, dass sich diese Frau keine Radiografie, die um die 20 Dollar kostet, so wie mir der Doktor das erklaerte und auch kein Medikament leisten konnte. Ich erklaerte ihr nochmals ausdruecklich, wie wichtig die weitere Behandlung sei, und auch vor allem dass die Kleine dieses Medikament nahm. Trotzdem sprach ich wie mit einer Wand. Sie meinte: Ja, ja, wird schon nichts sein. usw. Um die Mittagszeit waren wir wieder im CENIT. Ich sprach sofort mit Amparito, unserer Markt-Educadora, und meinte auch, dass meiner Meinung nach mit dem Kind alles halbwegs in Ordnung sei, jedoch die weitere Behandlung extrem wichtig sei und wenn wir nicht sofort handeln wuerden, Anai nie ihre Medizin zu Gesicht bekommen wuerde. Ich fragte auch, wie das mit dem Geld von CENIT aussehen wuerde, und wenn es nicht moeglich sei, wuerden eben wir uns das teilen. Ich meine, stellt euch das vor: Du bist krank, brauchst eine Behandlung und kannst es dir nicht leisten. Soll man dich verrecken lassen??
Auf alle Faelle fuehrte mich mein Weg dann in die CENIT-Klinik, in der ich mit Jessie (arbeitet dort) sprach. Sie meinte es gaebe eine Organisation, die sich Tierra Nueva (Neue Erde/Welt) nennt, und sie solche Behandlungen umsonst durchfuehren wuerde. Dazu brauchte Jessie aber die notwendigen Daten, die ich nicht hatte. So fuhr ich also mit Harry nochmals auf den Mayorista, um die notwendigen Infos einzuholen und die Medizin zu kaufen. Das Geld gab mir uebrigens Amparito. Ich dachte schon, das Ganze wuerde 10 Dollar oder so kosten, in Wirklichkeit waren es nur 3,50. Puhh…Kaum gingen wir in den Markt, kam uns die Mutter von Anai entgegen, auf dem Weg nach Hause. Ich sage euch: So ein immenses Glueck! 5 Minuten spaeter und wir haetten sie versaeumt.
Wisst ihr, wenn man mit diesen Kindern arbeitet, denkt man sich: Ja, sind schon voll arm, aber es ist einem dann gar nicht so bewusst, denn man gewoehnt sich an Schmutz etc. Spricht man jedoch mit den Eltern, merkt man, dass hier wahrlich 2 verschiedene Welten zusammenstossen. Anais Mutter kann weder lesen noch schreiben, sie weiss nicht den Geburtstag von ihrer Tochter und genau so wenig den Geburtsort. Ich fragte sie dann, ob sie nicht wenigstens den Monat wissen wuerde, denn es waere eben wichtig etc. Schliesslich meinte sie, dass der Muttertag in diesem Monat sein wuerde und ich schreib einfach Mai hin. Diese Menschen sind wirklich arm…
Schliesslich suchten wir noch eine Apotheke, die wir nach 20 Minuten Suchen fanden. Wir erklaerten der Mama dann noch, wie und wann das Medikament einzunehmen sei und fuhren zurueck ins CENIT, wo ich Jessie die ganzen Infos uebergab, damit sie einen Termin fuer die Radiografie ausmachen konnte. Um 4 uhr war ich schliesslich zu Hause, rannte zur Bank, um Kerstin einen Teil, ihres von Deutschland auf mein Konto ueberwiesenes Geld abzuheben und ins Reisebuero. Auf dem Weg dorthin, bewaffnet mit einem lecker duftendem Weissbrot (ich war sooo hungrig) traf ich Gerardo. Also eigentlich hetzte ich wie eine Irre durch die Strasse und stopfte mir Weissbrot in den Mund, als eine Stimme hinter mir rief: Hola, señorita! Puedo acompagnarte? – Kann ich dich begleiten? Wir tratschten dann ein bisschen und ich erzaehlte ihm gleich von Anais Unfall und er begleitete mich bis zum Reisebuero.
Um halb 6 war wieder Bauchtanzen angesagt. War super schoen!
Jetzt freue ich mich schon gewaltig aufs Abendessen!
Euch ein schoenes WE!
Eure Verito!